Neue Pasten, neue Pulver, neue Vorsorge-Konzepte?

Für ein strahlendes und gesundes Lächeln: die Professionelle Zahnreinigung (Bildquelle: Reto Gerber).

 

Gesund im Mund: Welche Prophylaxe-Trends in der Praxis wichtig werden

Zwischen Zahnpasta und Zwischenraumbürsten, Fluoriddiskussion und Floss wachsen neue Trends in der Prophylaxe, die den Stellenwert der zahnmedizinischen Disziplin deutlich machen: Mundhygiene und Vorsorge sind nicht wichtige, sondern die wichtigsten Voraussetzungen für ein gesundes Lächeln. Welchen Beitrag dazu Interdentalbürsten, mit Sensortechnik ausgerüstete Schallzahnbürsten, spezielle Pasten, aber auch neue Hygieneprogramme in der Praxis leisten können, zeigt ein aktueller Blick in die Prophylaxe-Welt.

Natascha Saul

 

Welche Rolle gesunde und schöne Zähne spielen weiß jeder, der sich schon einmal kaum zu Lachen getraut hat, weil das eigene Lächeln nicht repräsentabel genug erschien. Neben dem Unbehagen, das ein unästhetisches Gebiss auslösen kann, ist aber die Zahngesundheit von zentraler Bedeutung für das gesamte Wohlbefinden. Und natürlich spart Prävention auch bares Geld: Denn guter Zahnersatz ist teuer. Eine der populärsten Maßnahmen, um die Zähne top zu pflegen und den gesunden Zahnstatus so lange wie möglich zu erhalten, ist die Professionelle Zahnreinigung (PZR).

 

/// Kleine Investition, großer Nutzen

Sinnvoll oder nicht? Die Zeiten, an denen sich an dieser Frage die Geister schieden, gehören langsam, aber sicher der Vergangenheit an. In unserer modernen Gesellschaft kombinieren sich eine immer zuckerhaltigere Ernährung (auch durch versteckte Zucker zum Beispiel in Weißbroten) zusammen mit einer immer höheren Lebenserwartung zu einer wachsenden Herausforderung für unsere Zähne.

Zahnärztinnen und Zahnärzte empfehlen ihren Patientinnen und Patienten die PZR aber nicht allein, weil „Vorbeugen besser ist als Heilen“. Sondern auch mit Blick auf die Gesamtgesundheit: Werden Munderkrankungen nicht rechtzeitig erkannt, kann durch sie auch die Entstehung von Allgemeinerkrankungen begünstigt werden. Aber soweit muss es gar nicht kommen: Eine professionelle Zahnreinigung ist in fast jedem Fall sinnvoll, um das Karies- und Parodontose-Risiko zu minimieren.

 

/// Es wimmelt vor Bakterien

Die Mundhöhle ist ein wahrer Tummelplatz für Bakterien. Wird ihnen nicht regelmäßig zu Leibe gerückt, drohen Beläge. Zunächst weiche – die Plaques –, die dann verhärten und zuZahnstein werden. Mit der Zahnbürste allein erreicht aber kaum jemand alle Stellen im Mund, insbesondere die Molaren sind häufig schwer zugänglich. Tatsächlich schätzen Experten Deshalb, so schätzen Experten, haben um die 80 Prozent der Menschen in Deutschland mit parodontalen Problemen zu kämpfen.

Bei einer professionellen Zahnreinigung werden Beläge auf den Zahnoberflächen, in den Zahnzwischenräumen und in den Zahnfleischtaschen gründlich entfernt. Auch Verfärbungen – zum Beispiel verursacht durch Tee-, Kaffee- und Nikotinkonsum – können mit Hilfe von Ultraschall bei der PZR beseitigt werden. Ein abschließend aufgetragener, hochdosierter Fluoridlack stärkt und schützt den Zahnschmelz.

Fast genauso wichtig für die Mundgesundheit wie tägliches Zähneput- zen ist (Bildquelle: Steve Buissinne) …

/// Zweimal zum Großreinemachen

Zahnbeläge können nicht nur das Kariesrisiko erhöhen. Auch in den Zahnhalstaschen können sich Beläge bilden, die bei Nichtentfernung die Entstehung von Parodontitis begünstigen und damit im schlimmsten Fall auch zum Zahnverlust führen können. Auf der Pro-Seite stapeln sich also die Argumente für die regelmäßige Inanspruchnahme professioneller Reinigungen. Aber wie oft ist regelmäßig? Bewährt hat sich aus Sicht der Zahnärzte ein sechsmonatiger Rhythmus. Wer zweimal im Jahr die Zähne reinigen lässt, stellt sicher, dass Beläge – die sich übrigens schon nach kurzer Zeit wieder anfangen zu bilden – nicht zu Problemen führen können. So können Zahnerkrankungen fast vollständig vermieden werden und auch Kronen und Brücken kann eine lange Lebensdauer beschert werden. Eine weiter Voraussetzung dafür ist natürlich die ebenso konsequente Pflege zu Hause.

 

/// Kassenleistung – ja oder nein?

Der langen Liste der Pro-Argumente stehen im Wesentlichen nur zwei Punkte gegenüber, die oft von PZR-Ablehnern ins Feld geführt werden. Punkt 1: Aus Sicht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen ist unklar, ob eine PZR notwendig ist bei Patienten ohne vorliegender Parodontitis-Erkrankung. Das führt unmittelbar zu Punkt 2: Da aus diesem Grund nur wenige Krankenkassen die Kosten für eine PZR vollständig übernehmen, müssen die meisten Patienten das private Portemonnaie öffnen.

 

/// Gute Zähne – besseres Leben

Dass ein Ja zur PZR dennoch eine gute Idee ist, zeigt das aktuelle Ergebnis einer Forsa-Umfrage. Demnach gehen mittlerweile knapp zwei Drittel der Deutschen mindestens einmal jährlich zur PZR – das ist ein erheblicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahrzehnt und deckt sich mit der Wahrnehmung des Vorsitzenden der Bundeskammer Deutscher Zahnärzte, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, der einen maßgeblichen Wandel sich abzeichnen sieht: „Die Forderung von der Zahnärzteschaft nach einem Paradigmenwechsel – weg von der Reparatur, hin zur Prävention – findet immer mehr Gehör.“ Durch richtige Pflege kann Gingivitis (Zahnfleischentzündungen), Parodontitis (Zahnbettentzündungen) und Karies vorgebeugt und gesunde Zähne bis ins hohe Alter erhalten werden. Oesterreich: „Mundgesundheit ist auch Lebensqualität.“

 

/// Zahnpflege zu Hause

Sich diese Lebensqualität zu sichern, ist fraglos für viele ein wichtiges Ziel. Um es zu erreichen, bedarf es aber noch ein bisschen mehr als eine ein- bis zweimalige professionelle Reinigung in der Zahnartpraxis pro Jahr. Tag für Tag wollen die Zähne und auch das Zahnfleisch gepflegt werden, damit Zahnschmerzen oder Zahnfleisch-Entzündungen gar nicht erst auftreten. Das Minimum dafür ist das Zähneputzen – mindestens zweimal täglich und mindestens zwei Minuten. Für Frauen übrigens schon länger eine Selbstverständlichkeit als für Männer: Bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert galten zahnputzende Männer als dekadent.

Heute weiß man um den immensen Nutzen einer konsequenten Zahnpflege – zu der neben dem Putzen außerdem noch die einmal tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume gehören sollte – idealerweise mit Zahnseide, Interdentalbürsten oder einer modernen Munddusche. Zur Prophylaxe tragen aber auch eine ausgewogene und vor allem möglichst zuckerfreie Ernährung sowie der Verzicht auf Nikotin bei.

 

/// Gut essen für gute Zähne

Denn – ja: Nicht nur auf unsere Figur und Fitness hat die Ernährung großen Einfluss, sondern auch auf unsere Zahngesundheit. Fast jedes Kind lernt früh: Zucker ist einer der größten Übeltäter und greift den Zahnschmelz unbarmherzig an. In Kindergärten und Schulen steht deshalb immer stärker in Theorie und Praxis das Thema Ernährung im Fokus. Theoretisch werden Kenntnisse über Nahrungsmittel und ihre unterschiedlichen Auswirkungen auf unseren Körper vermittelt. Praktisch wird an vielen Schulen versucht, die gesundheitsbewusste Ernährung zum Beispiel durch organisierte Schulfrühstücke in den Alltag der Kinder einfließen zu lassen.

Die jetzt veröffentlichte DONALD-Studie (DOrtmundNutritional and AnthropometricLongitudinallyDesigned Study) zeigt allerdings, dass gerade das theoretisch vermittelte Wissen immer noch zu oft verpufft. Denn der Zuckerverzehr liegt gerade bei Kindern und Jugendlichen mit 16,3 Prozent nach wie vor deutlich über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

 

/// „Ernährungspolitische Maßnahmen“ gefordert

Da eine hohe Zuckerzufuhr als begünstigender Faktor für die Entstehung verschiedener Krankheiten wie Karies, Übergewicht und Adipositas sowie des Herzkreislaufsystems gilt, beschränkte die WHO 2015 die Zufuhrempfehlung für freien Zucker (vom Hersteller oder im Haushalt hinzugefügt) auf maximal zehn Prozent der Tagesenergieaufnahme. Die Bonner Wissenschaftlerin Dr. Ute Alexy von der Universität Bonn sieht deshalb auch die Politik in der Pflicht und fordert „ernährungspolitische Maßnahmen“. Wann das von der Großen Koalition vereinbarte Kennzeichnungssystem eingeführt wird, das den Zuckergehalt von Lebensmitteln genau ausweist, steht allerdings noch nicht fest. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hat sich noch nicht für ein System entschieden.

… eine gesunde Ernährung (Bildquelle: Jerzy Gorecki) …

/// Nicht zu süß, nicht zu sauer

Fest steht aber ohne jeden Zweifel: Auch explizite Informationen zum Zuckergehalt werden nicht jeden vor übermäßigem Genuss zuckriger Lebensmittel abhalten. In der fachlichen Prophylaxe-Beratung aber immer wieder auf die Bedeutung der Ernährung hinzuweisen, kann erheblich zum besseren Verständnis und zum Umstellen der Essgewohnheiten von Patienten beitragen.

Entscheidend ist bei der Beratung, die Patienten nicht nur darauf aufmerksam zu machen, dass weniger Zucker ein großes Plus für die Gesundheit bedeutet. Auch auf die Verteilung der zuckerhaltigen Speisen kommt es an: Wer von nur einem Schokoriegel über den Tag verteilt immer wieder ein Häppchen abbeißt, mag zwar unterm Strich eine vorzeigbare Zuckerbilanz haben. Die Zähne werden jedoch immer wieder mit Zucker umspült und mit jedem Bissen den kariogenen Angreifern ausgesetzt. Deshalb Süßes lieber „in einem Rutsch“ verzehren und nach ca. 30 Minuten die Zähne putzen oder zumindest ein Zahnpflegekaugummi kauen. Bitte auch nicht unterschätzen: Fruchtzucker in gesundem Obst. Kariesbakterien wandeln den Zucker – ob industriellen oder natürlichen – in Säure um, die dann den Zahnschmelz angreift.

 

/// Achtung bei Ananas und Co.

Ebenso wie Süßes kann auch Saures dem Zahn zu Leibe rücken – und zwar ganz ohne den Umweg über die Umwandlung durch Bakterien, sondern ganz direkt. Besonders gefährlich für den Zahnschmelz sind Zitrusfrüchte wie Orangen oder Ananas, deren Säure ihn direkt angreift und zu Erosionen führt, sodass Bakterien letztlich ein leichtes Spiel haben. Erschwerend hinzukommt, dass die Säure im Zusammenspiel mit dem Fruchtzucker doppelt schädliche Wirkung haben kann. Am heftigsten ist die Wirkung bei Getränken wie Limonade oder Cola, die säurehaltig und stark industriell-gezuckert sind.

Aber auch bei gesunden Lebensmitteln lohnt es sich, im Anschluss nach dem Verzehr die Zahnbürste zu zücken: So sind zum Beispiel Spinat, Mangold und Rharbarber nicht nur Vitamin-Lieferanten, sondern auch stark oxalsäure-haltig. Oxalsäure verbindet sich mit Kalzium und entzieht den Zähnen diesen wichtigen Mineralstoff. Auch hier ist wichtig: Erst nach etwa 30 Minuten die Zähne putzen – andernfalls wird die von der Säure anraute Zahnschmelz-Oberfläche durch die Borsten buchstäblich heruntergeputzt.

 

/// Stopsmoking

Um der Mundgesundheit Gutes zu tun, ist eine ordentliche Ernährung ein wichtiger Schritt, aber nicht der einzige. Natürlich wird von Medizinern nahegelegt, das Rauchen aufzugeben. Nikotin ist schädigt nicht nur den Körper, sondern auch die Zähne. Wird auf das Rauchen verzichtet in Kombination mit Verzicht auf hochprozentige alkoholische Getränke, kann das Mundkrebsrisiko erheblich reduziert werden.

 

/// Besser putzen, besser riechen

Ein weiterer Aspekt, der für eine umfassende, konsequente Zahnhygiene spricht: der Schutz vor Halitosis. Denn wichtig ist zu wissen: Wer Mundgeruch bekämpfen möchte, sollte zu einem Zungenschaber greifen. Anders als oft angenommen liegt die Ursache für Halitosis nämlich nicht im Magen-Darm-Trakt begründet. Tatsächlich sind in etwa 90 Prozent der Fälle Bakterien in der Mundhöhle der Auslöser, die sich in Zwischenräumen, im Zahnbelag, in tiefen Zahnfleischtaschen oder auf der Oberfläche der Zunge tummeln. Eine tägliche Zungenreinigung kann oft schon erheblich zur Problemlösung beitragen.

… und natürlich der Verzicht auf Nikotin.

/// Prophylaxe mit welchen Produkten?

Die Säulen der Prophylaxe sind also klar: regelmäßige Pflege zu Hause, regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt und regelmäßige professionelle Zahnreinigungen. Aber welche Produkte bringen den größten Erfolg? Welche Zahnpasta wirkt am effektivsten gegen Bakterien? Welche Zahnbürste erreicht am leichtesten auch Zwischenräume? Handzahnbürste oder elektrisch? Und welche Mittel sind ideal für den Einsatz in der Zahnarztpraxis?

Kriterien für die richtige Zahnbürste sind weiche Borsten, die schonend zum Zahnfleisch sind, und ein kleiner Bürstenkopf, mit dem das Erreichen aller Stellen im Mund erleichtert wird. Bei der Putztechnik gibt es nicht die einzig wahre, wohl aber welche, die es zu vermeiden gilt: So sollte keinesfalls horizontal geschrubbt werden. Stattdessen lieber mit System vorgehen und jeden Zahn einzeln reinigen ohne dabei zu stark aufzudrücken.

 

/// Putzmuffel und Disziplinierte

Ob die elektrische Zahnbürste die besseren Ergebnisse erzielt als die Handzahnbürste – das liegt vor allem am Anwender. Zwar gibt es Untersuchungen, die elektrischen Bürsten bessere Putzresultate attestieren. Die Unterschiede sind aber zum einen minimal und zum anderen oft schlicht der Putztechnik geschuldet. Wer eher ein Putzmuffel ist, dem hilft das elektrisch surrende und brummende Bürstenköpfchen natürlich bei der Mission Saubere Zähne. Wer aber sehr diszipliniert zuWerke geht und gewissenhaft in kleinen kreisenden Bewegungen mit der Handbürste putzt, erreicht in der Regel gleichgute Ergebnisse.

 

/// Fluorid und Hydroxylapatit contra Karies

Geht es um das zweite entscheidende Hilfsmittel beim Zähneputzen, nämlich die Zahnpasta, raten Zahnärzte überwiegend zu Pasten, die Fluoride enthalten. Fluoride fördern die Mineralisierung des Zahnes und schützen mit bakteriell gebildeten Säuren außerdem die Zahnsubstanz vor Demineralisierung. Empfohlen wird, auch auf antibakterielle Inhaltsstoffe zu achten. So wirkt zum Beispiel Triclosan effektiv gegen Zahnfleischentzündungen.

Nicht zuletzt die gerade in den Publikumsmedien immer wieder angeheizte Fluorid-Debatte hat zu einer verstärkten Nachfrage von Patienten nach Alternativen geführt. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Zahnpasten auf dem Markt, die frei von Fluoriden sind, aber dennoch ausreichenden Kariesschutz versprechen. Ein Inhaltsstoff, der kariesvorbeugend wirken soll, ist das Hydroxylapatit.

 

/// „Flüssiger“ Zahnschmelz?

Es setzt sich wesentlich zusammen aus Calcium und Phosphat und ist der natürliche Hauptbestandteil unserer Zähne. In vielen Zahncremes wird er beigefügt und von den Herstellern als „flüssiger Zahnschmelz“ beworben. Einen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass durch die Anwendung einer solchen Zahnpasta bereits von den Zähnen abgetragener Zahnschmelz repariert werden könnte, gibt es jedoch nicht.

Hydroxylapatit eingesetzt zum Schutz vor Karies solldank dreier Komponenten wirken: durch die Bildung einer Schutzbarriere auf dem Zahnschmelz, durch die Adsorption von Plaque-Bakterien während des Zähneputzens sowie durch die Remineralisierungen unterhalb der Zahnoberfläche.

 

/// Fluoridfreie Zahnpasten fallen durch

Experten sind fluoridfreien Zahncremes, die mit besonders biologisch-nachhaltiger Wirkung werben, gegenüber aber eher skeptisch. Die im April veröffentlichten Ergebnisse einer Studie von ÖKO-Test gehen mit Bio-Zahnpasten hart ins Gericht. Über 80 Prozent der angebotenen Pasten sind im Test durchgefallen aufgrund fehlender Fluoride, nur 13 Bio-Zahncremes konnten überzeugen. Fluoriden bescheinigt das Institut nachweisbaren Kariesschutz und räumt mit dem Vorurteil auf, sie seien giftig. Eine toxische Wirkung tritt erst bei extremer Überdosierung ein – und das grenzt beim Zähneputzen ans Unmögliche.

Fluoridlacke können schützen und zusätzlich Hypersensibilitäten lindern wie etwa der Nupro White Varnish (DentsplySirona).

 

/// Fit machen für Hygiene daheim

Zum Prophylaxe-Angebot jeder Zahnarztpraxis sollte also nicht allein die professionelle Zahnreinigung gehören, sondern auch die fachkundige Beratung, die den Patienten fit macht für die richtige Pflege seiner Zähne zu Hause. Wie spricht man dabei sensible Themen an? Wie lassen sich auch beratungsresistente Putzmuffel überzeugen? Welche Produkte kann man guten Gewissens weiterempfehlen? Das Gesamtpaket Prophylaxe – von der Behandlung bis zur Beratung – ist ein komplexes und anspruchsvolles Feld. Tipps von erfahrenen DentalhygienikerInnen wie sich PraxismitarbeiterInnen dieses Feld optimal erschließen und davon ihre Patienten profitieren lassen können, gibt es in verschiedenen Fortbildungen, die deutschlandweit angeboten werden.

Aber Vorsicht: Auch gesundes Obst enthält Frucht- zucker und Säure. Beides kann den Zahnschmelz angreifen.

/// Wissen weitergeben

Die Palette reicht dabei von der Weitergabe des „Wellness“-Gedankens rund um Prophylaxe über die Ansprache von sensiblen Themen bis hin zu neuen Prophylaxe-Konzepten, die sich ganz auf Nachhaltigkeit konzentrieren und sowohl den Patienten als auch die Umwelt im Blick haben. Diesen biologischen Schwerpunkt setzt zum Beispiel die erfahrene Dentalhygienikerin Birgit Schlee aus Heilbronn. Ihr spezielles Seminarangebot ist gerade „in aller Munde“. Sie reagiert damit vor allem auf die wachsende Nachfrage in den Praxen u.a. nach Produkten, die frei von strittigen Stoffen sind und weder den Körper noch die Umwelt belasten.

/// Was ist neu auf dem Markt?

Dass der Prophylaxe-Markt geradezu überschwemmt wird mit Produkten und es zunehmend herausfordernder wird, sich mit Vor- und Nachteilen dieser und jener Linie zu beschäftigen und die Qual der Wahl zu haben, ist nicht neu. Eine Lichtung des Produkt-Dschungels ist nicht abzusehen. Gleichzeitig lohnt es sich sicher, die Neuentwicklungen im Blick zu behalten und auf ihren Wert im Praxisalltag zu prüfen. Damit Sie schon einmal eine Idee bekommen, welche Neuheiten es gibt, zum Abschluss ein kleiner Überblick.


/// Überblick zu den Produkt-News

Der aktuelle Prophylaxe-Trend „Bio“ spiegelt sich nicht nur in Seminarangeboten, sondern auch in verschiedenen Produktpaletten wider. Ganz neu ist zum Beispiel die Zahnbürste TePe GOOD, die aus hygienischem Biokunststoff auf Basis des nachwachsenden Rohstoffs Zuckerrohr bestehen. Die weichen Borsten der Zahnbürsten werden ebenfalls aus einem nachwachsenden Rohstoff gewonnen, nämlich Rizinusöl. Auf diese Weise ist es dem schwedischen Unternehmen gelungen, eine Zahnbürste mit einem zu 95 Prozent klimaneutralem Produktlebenszyklus zu entwickeln.

Neu ist auch die Zahncreme Karexfür Kinder. Anstelle von Fluoriden wirkt laut Studie das zahnverwandte Hydroxylapatit als alternativer Kariesschutz. Hydroxylapatit ist für Babys ab dem ersten Zahn und für Kinder, die noch nicht richtig ausspucken können, geeignet. Wird der Stoff verschluckt, löst er sich im Magen einfach auf.

Wer die richtige Zahncreme schon hat und nur noch auf der Suche nach der passenden elektrischen Zahnbürste ist, könnte mit der neuen PHIILIPS SonicareDiamondCleanSmartgut beraten sein. Die mit Sensortechnik ausgestattete Schallzahnbürste und diesjährige Testsiegerin bei Stiftung Warentestmisst und analysiert das Putzverhalten des Anwenders während des Zahnreinigungsprozesses und gibt ihm ein Echtzeit-Feedback.

Unterstützung für die gezielte Prophylaxe gibt es auch im Sortiment von DentsplySirona. Zum Beispiel in Gestalt des neuen Nupro® White Varnish. Damit lässt sich zum einen ein Behandlungsschritt und damit Zeit sparen und zum anderen werden gleichzeitig dank schneller Fluoridfreisetzung bestehende Hypersensibilitäten gelindert.

Eine Empfehlung an die Patienten ist auch für die häusliche Mundhygiene auszusprechen: Wer unter Halitosis leidet oder einfach schnell etwas gegen schlechten Atem z.B. durch den Genuss von Zwiebeln und Knoblauch unternehmen möchte, kann jetzt auf Drops zurückgreifen, die mehr können als Kaugummis und Frischebonbons. Die neuen LISTERINE GO! Tabssind Kautabletten, die sich beim Kauen im Mund in eine Flüssigkeit verwandeln, die den Mundraum dann auch an schwer zugänglichen Stellen spült, ehe sie einfach geschluckt wird. Anders als Lutschpastillen oder Kaugummis, die schlechte Gerüche lediglich überdecken, neutralisiert die Flüssigkeit aus den Tabs flüchtige Schwefelverbindungen und damit die Moleküle, die den schlechten Geruch verursachen.

OXYSAFE Professionalvon Hager & Werkenzählt unterdessen laut Hersteller zu den wirksamsten und effizientesten neuen Produkten in der Parodontitis- und Periimplantitis-Therapie. Die aktive Sauerstofftherapie soll eineschnelle Wundheilung und Reduktion der Taschentiefe bewirken. Für die unmittelbare Behandlung in der Praxis gibt es das OXYSAFE Professional Gel in handlichen 1 mm-Spritzen. Für die Weiterbehandlung in der häuslichen Anwendung erhält der Patient zusätzlich die OXYSAFE Professional Liquid Mundspülung zur nachhaltigen Therapiebegleitung.

Bekannte Größen in der Parodontitis-Behandlung sind die SF10T und SF11aus der Komet SonicLine. Jetzt hat sich ein Q in deren Identifikationsnummer platziert: SFQ10T und SFQ11. Das Q steht für Quick, denn mit diesem Anschluss, dem Quick-Gewinde, bieten die beiden Schallspitzen im Handumdrehen noch mehr Komfort am Behandlungsstuhl. Möglich macht das machte eine Lizenz in Kooperation mit KaVo. Die SF11 erleichtert mit ihrer Knospenform die maschinelle Furkationsbehandlung. Die Spitzen sind nicht nur im Komet Schallhandstück SFQ2008L einsetzbar, sondern auch im KaVoSONICflex quick Schallhandstück der Serie 2008/S/L/LS.