OccluSense – ein Erfahrungsbericht*

Schon seit sehr langer Zeit werden Artikulationspapiere zur Überprüfung der Okklusion in der Zahnheilkunde eingesetzt; die Firma Bausch verspricht mit ihrem neu entwickelten Produkt OccluSense die „Zukunft der Okklusionsprüfung“.

Dr. Hubert Redelberger

 

/// Was kann das Gerät?

OccluSense  ist eine Art  Okklusionspapier, das in der Lage ist, Druckverhältnisse darzustellen. Der flexible, recht dünne und farbbeschichtete elektronische Drucksensor wird in das akkubetriebene Handgerät eingelegt, der dann die statischen und dynamischen aufgezeichneten okklusalen Daten nach der Artikulationsprüfung am Patienten an die OccluSense –iPad-App sendet.

Auf dem iPad können dann die okklusalen punktuellen Kräfte über eine 3D-Säulen-Graphik und deren prozentuale Druckverteilung in den einzelnen Okklusalsegmenten in einer 2 D-Darstellungen sichtbar gemacht werden. Zusätzlich sind auf den Zähnen Okklusionskontakte aufgrund der Farbbeschichtung markiert.

OccluSense mit Sensor, Handgerät und iPad

/// Problemstellung und Anwendungsbeispiele

In einer modernen innovativen Zahnheilkunde ist der heutige Zahnarzt einer sehr unterschiedlichen Problematik gegenüber gestellt.

Zum einen hat sich die Bandbreite der verwendeten Materialien in der Prothetik verändert: die recht weichen Kunststoff-Kauflächen bei herausnehmbaren Zahnersatz im Gegensatz zu Keramiken und extrem harte Zirkonoxiden in der festsitzenden Versorgung.

Der farbbeschichtete OccluSense Drucksensor

Zum anderen haben wir es heute sehr viel häufiger mit unterschiedlichen Pfeilerverankerungen zu tun. Zeigen schon unterschiedliche parodontale Verhältnisse am natürlichen Zahn unterschiedliches Resilienz verhalten, so wird dies am pfeilervermehrenden Implantat auf ein Minimum reduziert.

Wir alle kennen das Problem der Okklusions-Kontrolle solch unterschiedlicher Materialien.

Selbst mit stärker gewachsten Okklusionsfolien können statische Kontakte  gerade bei den hochverdichteten Oberflächen, z.B. einer Zirkonoxidrestauration, oftmals nicht ausreichend sichtbar gemacht werden und stoßen an ihre Grenzen .

Und so werden häufig sekundäre Kontakte prominenter farblich dargestellt und verleiten zu Fehlinterpretationen.

Die Resilienzen im Kiefergelenk (Kompression, Distraktion sowie Lateral Resilienzen)  verschleiern zusätzlich das Bild.

Mit der innovativen Technik durch OccluSense lässt sich jedoch verdeutlichen, welche Kaukraft auf den einzelnen Kontaktpunkten lastet. Die Stärke jedes einzelnen Kontaktes lässt sich in der Graphik ablesen.

OccluSense visualisiert Okklusionskontakte unabhängig von der Anfärbbarkeit prothetischer Oberflächen. In einer sehr hohen Präzision werden  Frühkontakte oder auch fehlende Kontakte erkannt und man hat die Möglichkeit, die okklusalen Verhältnisse zu berichtigen und im Anschluss die Optimierung in Diagrammen optisch abzulesen.

Auch die dynamische Okklusion kann aufgezeichnet werden und so z.B. störende bzw. überstarke  Latero- und Mediotrusionskontakte,  entsprechend dem gewählten Okklusions-Konzepts, beseitigt werden.

Die Anwendungsmöglichkeiten von OccluSense im Praxisalltag sind vielfältig. Primär ist da die Beurteilung der Okklusionsverhältnisse einer neuen oder älteren prothetischen Versorgung zu nennen.

Der Patient kann in aller Regel einen neuen Zahnersatz nicht richtig funktionell beurteilen. Die  Umstellung ist oft zu groß – z.B. wird unter Umständen eine einseitig zu niedrige Brücke als angenehmer empfunden, als eine passende. Auch älterer Zahnersatz kann durch schleichendes, unterschiedliches Abrasionsverhalten und durch hohe Adaptationsfähigkeit des Patienten im neuromuskulären Bereich für ihn unbemerkt, da langsam, seine funktionellen Eigenschaften verlieren und so seine Brauchbarkeit in Frage stellen.

Erworbene Fehlbelastungen, z.B. nach Zahnverlust, Kippungen oder Elongation der Antagonisten und daraus sich ergebende Störkontakte, sowie Abrasionen der Zähne können dem Patienten optisch vermittelt und so den Sinn eines Lückenschlusses erklärbar gemacht werden.

Auch in der KFO sehe ich viele Möglichkeiten, spätere Probleme zumindest zu reduzieren. Ich selbst benutze OccluSense gerne in der CMD-Therapie, nicht nur um Fehlkontakte aufzuspüren, sondern auch um in einem späteren Behandlungsabschnitt die Funktionalität z.B. der Schiene zu überprüfen (Therapiekontrolle und Aufzeigen, veränderter Okklusionsmuster).

Des Weiteren können Schliffflächen, welche in der normalen dynamischen Funktionsprüfung nicht bzw. nur sehr schlecht darstellbar sind, z.B. durch ungünstige Habits, sichtbar gemacht werden.

Als Beispiel kann die Schlafhaltung angeführt werden. Bauchschläfer können hier im außeraxialen Bereich okklusale Flächen aufgrund der Verdrehung des Kopfes und der Lateralresilienz des UK’s bzw. des KG’s, ansteuern, die u. U. durch Ihre Prominenz dann zu einer deutlichen Attrition führen.

Kennt man dieses Problem, kann OccluSense es durch eine entsprechende manuelle Simulation während der dynamischen Aufzeichnung darstellen und seine tatsächliche Dominanz aufzeigen.

Natürlich kann OccluSense keine erworbenen oder strukturellen Probleme im Cranio-mandibulären System in übergeordneter Stellung aufzeigen. Aber das ist auch systembedingt nicht möglich.

Was aber im Patientenmund wirklich okklusal und funktional vorgeht, das ist durch OccluSense sehr präzise darstellbar.

CMD-Patientin mit gut dargestellten und ausgeprägten C-Kontakten im 4.Quadranten mit entsprechendem Muskelbefund.Nach Reduktion der C – Kontakte und minimalem Aufbau der Eckzahnführung 13/43 vollständige Beseitigung der Probleme.

/// Fazit

In der heutigen Zeit, in der sich der Zahnarzt mit hochkomplexen Materialmix und Versorgungen unterschiedlicher Resilienz (z.B. Zahn/Implantat) sowie funktionellen Problemen auseinandersetzten muss, zeigt OccluSense seine Stärken.

Die bessere Überprüfbarkeit  der okklusalen und funktionellen Situation geben Patienten und Behandler zusätzliche Sicherheit bei z.B. umfangreicheren Zahnersatz, von der heutigen Dokumentationspflicht einmal ganz abgesehen. Und: die Handhabe des Gerätes ist einfach! Chapeau, Versprechen gehalten!

– AUTOR

Dr. med. dent. Hubert Redelberger, Schweinfurt

– KONTAKT

Dr. Jean Bausch GmbH & Co.KG
Oskar-Schindler-Straße 4
50769 Köln

Telefon: 0221/709 36-0
Telefax: 0221/709 36-66

E-Mail: info@occlusense.com
Internet: www.occlusense.com

 

*Erstveröffentlichung: ddm 6/2019