Parodontitis und Burnout-Syndrom

Verdichte Arbeitsprozesse, eine hohe Leistungserwartung, immer erreichbar sein und dazu kommende psychische Probleme – für manche Menschen endet das in einem Teufelskreis.

Dr. Margit Schütze-Gössner

/// Burnout

Lange galt das Thema Burnout als Tabuthema. Wer an Burnout erkrankt, hat nach allgemeinen Gesichtspunkten „etwas geleistet“(im Gegensatz zum Krankheitsbild der Depression). Burnout-Symptome entwickeln sich sehr langsam und über einen längeren Zeitraum, ähnlich der Parodontitis. Oft merken die Betroffenen lange Zeit nicht, was mit Ihnen vor sich geht und versuchen, das beginnende „Ausbrennen“ durch Steigerung der Anstrengungen auszugleichen.

Dies endet im Burnout:in einem Zustand völliger emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung

 

/// Parodontitis

Die Parodontitis ist eine durch Bakterien induzierte Entzündung, die – unbehandelt – durch Gewebe-und Knochenabbau unweigerlich zum Zahnverlust führt.

Dies wird durch die Endotoxine der Bakterien ausgelöst, die das chronische Entzündungsgeschehen durch die übermäßige Bildung freier Radikale(ROS) – oxidativer Stress – vorantreiben. Dies führt zu einer Dysbalance der Mitochondrien. Diese Mitochondrien sind aber als Energielieferant für unsere Immunzellen essentiell und damit extrem wichtig. 

 

 

/// Triggert Burnout die Parodontitis oder umgekehrt?

Der übermäßig und vor allem emotional empfundene Leistungsstress führt zur Überlastung des Immunsystems und steigert das Risiko für orale Entzündungen/Parodontitis. Gleichzeitig – vice versa – steigern orale Entzündungen jeglicher Art das Risiko für psychische Erkrankungen. Beim Burnout wie bei der Parodontitis ist ein Übermaß an freien Radikalen (ROS) der auslösende Faktor für das Krankheitsbild. Die Mitochondrien erschöpfen, der Organismus schaltet die Notbremse ein und blockiert den Citratzyklus.

Allen Entzündungen gemeinsam ist der Mangel an Energie und die Erschöpfung der Mitochondrien als Energielieferanten für die Zelle und somit für unser Immunsystem.

Wie später im Patientenfall aufgezeigt,scheint der Impuls für die Parodontitis vom Burnout-Geschehen ausgelöst worden zu sein. Das heißt, die notwendige Mobilisierung von Zellenergie für das Immunsystem konnte auf Grund der Erschöpfung der Mitochondrien nicht erfolgen.

 

Aus dieser Erkenntnis heraus ergibt sich eine totale Vereinfachung in der Prävention und auch in der Therapie: Wiederherstellung und Schutz der mitochondrialen Kraft!

 

Wir wissen, dass für die Bereitstellung von Zellenergie (ATP) viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente notwendig sind. Unverzichtbar aber und an erster Stelle steht hier das CoEnzym Q10, das für die Energiebereitstellung in ausreichender Menge vorhanden sein muss. Es ist das einzige vom Körper selbst hergestellte lipophile Antioxidans und gleichzeitig Überträger der Elektronen in den Komplexen 1, 2 und 3 der inneren Atmung jeder Zelle. Ist CoEnzym Q10 NICHT  in ausreichender Menge vorhanden,muss es substituiert werden.

 

Erstmals wurde in Studien festgestellt, dass bei der Parodontitis ein Abfall des CoEnzym Q10 von mehr als der Hälfte vorliegt, (minus 56% – Studien v. Bullon, et.al.1, 2) und auch die Citrat-Synthase als Taktgeber im Citratzyklus um 77% reduziert ist.

Durch Zufuhr von CoEnzym Q10 kann die Dysbalance in den Mitochondrien wieder in ein balanciertes Verhältnis überführt werden. Dies geschieht durch Herabregulierung der freien Radikalen (ROS) auf das Normalmaß wie beim Gesunden und führt zu einem deutlich verbesserten Zustandsbild bei der Behandlung der Parodontitis.

 

/// Anhand eines Patientenfalles wird diese Rolle verdeutlicht

Ein 36 Jahre alter männlicher Patient bemerkt seit einigen Wochen, dass seine Zähne „länger“ werden. Schichtarbeiter, lebt in Scheidung, bangt um seinen Job und ist einfach „fertig“ – jetzt fürchtet er um seine Zähne. Dieser Patientenfall eines Burnout-Patienten zeigt die rasche Wirkung von CoQ10 auf Blutungsneigung und Taschenschluss (wie Sie dies den Daten vom ParoStatus entnehmen können).

 

Kurz ein Satz zu diesem parodontalen Daten-Erfassungs-System: Dieses System ist zwischenzeitlich für uns unverzichtbar geworden, da sich damit die exakte Datenerfassung wesentlich vereinfacht hat, sowie die Beweisführung und Motivation für unsere Patienten. Alles andere ist eine halbe Sache und nicht mehr zeitgemäß!

 

Zurück zu unserem Patienten: Nach professioneller Zahnreinigung und der ausreichenden Zufuhr von mitochondrialen Substanzen, vor allem von CoEnzym Q10 in flüssiger Form als ParoMit®-Q10 Spray kommt es zum Stopp der chronischen Entzündung. Die ausreichend energetische Versorgung der Zellen beseitigt die Dysbalancen und unterstützt somit die Ausheilung der Parodontitis wie die Immunkompetenz bei der Verbesserung des Burnout -Syndroms.

Abb.1:
Vergleich Anfangsbefund und Reevaluation

 

/// Therapie

Aufklärung und MH-Instruktionen, nach PZR/SRP wurde zur unterstützenden Therapie CoEnzym Q10 ParoMit® in flüssiger Form direkt lokal zugeführt. Damit wird das Immunsystem unterstützt und die mitochondriale Energieproduktion angeregt.

 

Abb.2:
Vergleich der Entzündungsfläche vor und nach der Therapie

/// Mitochondrien bei der Immunabwehr

Dass Mitochondrien bei der Immunabwehr „DIE“ entscheidende Rolle spielen, dazu kamen Forscher der Universität Bern3in einer aktuellen Studie mitspannenden Ergebnissen. Sie fanden heraus, dass Neutrophile Granulozyten bei der Abtötung von Bakterien auf eine intakte Struktur in den Mitochondrien angewiesen sind. Damit „erfüllen die Mitochondrien in Neutrophilen eine zentrale Funktion für die gesamte Immunabwehr“.

 

/// Fazit

Parodontitis beruht auf einem multifaktoriellen Geschehen, dass in einem empfindlichen Gleichgewicht steht. Im Rahmen der individuellen Behandlung stellt sich immer wieder die Frage nach möglichen unterstützenden adjuvanten Medikamenten oder Therapien. Die Leitlinie zur „ Adjuvanten systemischen Antibiotikagabe bei subgingivaler Instrumentierung im Rahmen der systematischen Parodontitistherapie“ aus November 2018 schränkt die Indikation zur Antibiotikagabe in der Parodontitistherapie stark ein – und zurecht! Denken wir biologisch – stärken wir die Abwehr des Patienten!

 

– AUTORIN

Dr. Margit Schütze-Gössner

 

– KONTAKT

Dr. Margit Schütze-Gössner

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A-4800 Attnang-Puchheim

 

 

Literaturhinweis:

1 P.Bullon, et al.; Mitochondrial dysfunction promoted by Porphyromonasgingivalis; Free Rdical Biology & Medicine, 2011, 1336-1343

2 P.Bullon, et. al.; Lipophilic antioxidants prevent lipopolysaccharide-induced mitochondrial dysfunction through mitochondrial biogenesis improvement. Pharmacol Res. 2015 Jan;91:1-8

3idw-Universität Bern; 31.07.2018