Selbst gemacht kann kritisch sein – was die Prophylaxe-Fachfrau empfiehlt

Zahncreme: Inhaltsstoffe im Faktencheck

Selbst gemacht kann kritisch sein – was die Prophylaxe-Fachfrau empfiehlt

 

Diese drei Trends sind unübersehbar: Da ist einmal die Rückbesinnung auf alte Hausmittel, dazu Do-it-yourself und die Vermeidung von Plastikverpackungen. Folgerichtig kursieren im Netz zahlreiche Rezepte für selbst gemachte Zahncremes oder Zahnpulver. Blogger, Youtuber und ganze Foren beschäftigen sich damit. Die Inhaltsstoffe seien frei wählbar und die Kreationen somit natürlicher, heißt es.

 

Doch mittlerweile gibt es warnende Stimmen aus der Zahnmedizin zu den selbst gemachten Zahnreinigungsmitteln. Die Hauptkritik sind die fehlenden Fluoride, die zur Remineralisierung der Zähne nötig sind. Diese haben in der Vergangenheit nachweisbar zum flächendeckenden Rückgang von Karies beigetragen. Sowohl Wissenschaft als auch Verbraucherschützer sind sich einig, dass dieser Stoff ganz zu Unrecht in Verruf ist. Außerdem weist die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) eindringlich darauf hin, dass die wissenschaftlich geprüften Inhaltsstoffe von Zahnpflegeprodukten gerade bei Problemstellungen wie empfindlichen Zähnen oder Parodontitis eine wichtige gesundheitliche Bedeutung haben.

 

Natürlich ist die Reduzierung von Plastikgesellschaftlich und umweltpolitisch wichtig. Das sieht auch Sarah Loru, Prophylaxe-Leitung im AllDent Zahnzentrum Frankfurt so. Das bedeutet aber nicht, dass man Zahncreme automatisch selber machen muss. Wer Plastikverpackungen vermeiden will, kann auf Zahncreme in Metalltuben oder Zahnputztabletten (auch mit Fluorid) im Glas zurückgreifen. Gut zerkaut, ersetzen sie die Zahnpasta: „Man muss sich nur daran gewöhnen, dass es nicht schäumt.“

Insgesamt verweist die Fachfrau in der Beratung von Patienten jedoch darauf, dass die Hausmittel eben keinen wissenschaftlichen Nachweis über die Wirkung hätten: „Wirklich leistungsfähige Zahnpasten sind in langen Prozessen entwickelt und ständig optimiert worden.“

Die DGPZM als Fachgesellschaft betont beispielsweise, dass fluoridhaltige Zahnpasten 40 bis 50 Prozent der Karies allein durch den Kontakt mit den Zähnen verhindern könnten. Der Effekt durch die Entfernung der Zahnbeläge komme noch hinzu. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Belege für die positive Wirkung von Fluorid in der richtigen Dosierung, zum Beispiel in Stellungnahmen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) oder in der aktuellen deutschen Mundgesundheitsstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ).Bei einer aktuellen Untersuchung von Ökotest Ende 2019 fielen Zahncremes ohne Fluorid umstandslos durch.

 

/// Schaum wirkt!

Die Schaumwirkung einer Zahncreme ist nicht nur ein werbewirksamer Zusatz, sondern hat auch einen praktischen Nutzen. Die enthaltene waschaktive Substanz unterstützt die mechanische Reinigung der Zähne. Der Schaum bindet danach noch die gelösten Stoffe, die somit leichter ausgespült werden können. Außerdem verstärkt er das Frischegefühl und motiviert zum längeren Putzen. Der gängige Schaumbildner SLS (Sodium Lauryl Sulfateoder Natriumlaurylsulfat) wirkt erwiesenermaßen entzündungshemmend und antibakteriell. Das anionische Tensid kann aber auch Allergien auslösen und die Schleimhaut reizen. Dazu laufen derzeit noch wissenschaftliche Studien. Doch die möglicherweise kritische Konzentration von maximal zwei Prozent SLS in der Zahnpasta wird in den Produkten auf dem deutschen Markt ohnehin deutlich unterschritten. „Wer mit SLS ein Problem hat, kann außerdem leicht auf Zahncremes mit anderen Schaumbildnern ausweichen“, sagt Sarah Loru.

 

/// Mikroplastik – ein Gerücht

Abrasivstoffe in Zahncremes sind ein heikles Thema. Auf der einen Seite sind sie wichtig für die Reinigung der Zähne. Auf der anderen Seite dürfen sie aber die Zahnsubstanz nicht zu sehr beschädigen. Wenn man zu Hause selbst anmischt, kann es leicht passieren, dass falsche oder zu viel Schleifstoffe in Zahnpasta oder Zahnpulver landen. Rezepte, in denen Natron- und Xylitkristalle im Mörser fein zermahlen werden müssen, deuten schon darauf hin, dass dies allzu leicht passieren kann. Kalziumkarbonat (auch bekannt als Schlämmkreide) beispielsweise ist auch in herkömmlichen Zahnpasten enthalten, allerdings in einheitlicher Korngröße und genormter Konzentration.

Mikroplastik als Abrasivstoff war immer schon eine Ausnahme und ist seit über zehn Jahren ganz passé, wie die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin bestätigt. „Auch, wenn oft das Gegenteil behauptet wird, gibt es heute in Deutschland keine Zahnpasta, die Mikroplastik enthält“, betont Sarah Loru.

Zeitgemäße Zahnpasten enthalten viel mehr Inhaltsstoffe, die beispielsweise bakteriellem Zahnbelag, Zahnfleischbluten, empfindlichen Zahnhälsen, Zahnstein oder Mundgeruch nachweislich vorbeugen. „Darauf sollten Patienten eher hingewiesen werden“, sagt die Prophylaxe-Fachfrau. Denn auch die natürlichen Inhaltsstoffe von Hausrezepten können schaden, wie beispielsweise Kurkuma. Die Gelbwurz gilt als antibakteriell und entzündungshemmend und ist Bestandteil vieler Rezepte. Nachteil ist, dass die enthaltene Pflanzenfarbe Curcumin defekten Zahnschmelz oder Kunststoff-Füllungen gelb verfärben kann.

Zu einer guten Mundhygiene gehört nicht nur die richtige Zahnpasta, sondern auch eine passende Zahnbürste. Naturprodukte wie Miswak (Ästchen des Zahnbürstenbaumes) oder Zahnbürsten mit Naturborsten gelten aus zahnmedizinischer Sicht als mangelhafte Alternative. Teilweise ist keine effiziente Putztechnik möglich oder es gibt hygienische Bedenken. Denn die Naturmaterialien bieten Brutstätten für Bakterien, Viren und Pilze. Doch es sind umweltschonende Alternativen in Sicht. Erste Produkte, die auf Biokunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen basieren, sind bereits erhältlich.

 

– AUTORIN

Anita Westphal-Demmelhuber        

 

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/// Wie wirkt Fluorid?

Fluorid ist der wichtigste kariespräventive Inhaltsstoff von Zahnpasten. Der Mechanismus des Kariesschutzes beruht auf dem direkten Kontakt des Fluorids mit den Zähnen, wobei es den Verlust von Mineralien aus der Zahnhartsubstanz verhindert. Diese Entmineralisierung ereignet sich bei fast jeder Nahrungsaufnahme, weil Bakterien auf der Zahnoberfläche Zucker zu Säuren abbauen, die wiederum Mineralien aus der Zahnoberfläche herauslösen können. Fluorid fördert die Wiedereinlagerung bereits verloren gegangener Mineralien. Eine Zahnpasta sollte daher auf jeden Fall Fluorid enthalten. (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin)

Fluorid wird seit Jahren immer wieder in Zusammenhang gebracht mit Chromosomenveränderungen, Krebs und anderen Krankheiten. Diese Warnungen beruhen darauf, dass Fluorid in hohen Dosen Zellen schädigen kann, berücksichtigen aber nicht den Dosiseffekt. Alle diese behaupteten Nebenwirkungen haben sich als unwahr erwiesen. (Quelle: Stellungnahme des Instituts für Risikobewertung Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin: Verwendung fluoridierter Lebensmittel und die Auswirkung von Fluorid auf die Gesundheit)