Zwischen Scannen, Schlemmen und Superlativen

Bei den Live-Demonstrationen des neuen Primescan tummelten sich die interessierten Zahnärzte am Stand von DentsplySirona.

IDS 2019 überzeugt mit breitem Service- und Angebotsmix

Messe? Damit ist die IDS 2019 eher unzureichend bezeichnet. Wer in Köln war, weiß: Die Internationale Dental-Schau ist eher ein Erlebnispark für die Dentalwelt und ihre Menschen, ein pulsierendes Zentrum für den Austausch über die neuesten Produkte, die wichtigsten Weiterentwicklungen und die Ideen, die vielleicht die Zukunft der Zahnmedizin und Zahntechnik mitbestimmen könnten.

Natascha Saul

Aufmerksamkeit – darum drehte sich auch bei der 38. Ausgabe der Weltleitmesse alles. Aufmerksamkeit für Produktneuheiten, natürlich, aber auch für Projekte, für Technologien, Techniken, Verbände und Initiativen. Aber der Reihe nach: Wer sich einen raschen Überblick über die jüngsten Entwicklungen aus der Industrie verschaffen wollte, hatte entweder sehr viel Zeit mitgebracht oder einen ausgeklügelten Messeplan.

 

/// Rekorde, Rekorde, Rekorde

Denn die IDS bot nicht nur eine Fülle an Neuheiten, sondern auch volle Gänge. Wie zu erwarten gewesen war, ließ das Besucherinteresse nicht nach. Im Gegenteil: 2019 brach den Besucherrekord der 2017er-IDS. Waren vor zwei Jahren schon über 155.000 Besucher aus über 150 Ländern der Welt gezählt worden, wurden in diesem Jahr noch mehr Tickets durch die Barcodescanner an den gut organisierten Messeeingängen gezogen. Mehr als 160.000 Gäste aus 166 Ländern zog es nach Köln, um sich einen eigenen Eindruck davon zu machen, was Hersteller versprechen und Materialien halten.

 

/// Mehr Platz, mehr Gäste

Neu in diesem Jahr war die Halle 5, die die bisherigen Hallen sinnvoll ergänzte, noch mehr Ausstellern Raum gab und einen komfortablen Rundgang ermöglichte. Insgesamt brachte es die Messe auf eine Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche von 170.000 Quadratmetern. Das neue Hallenkonzept ging auf, fanden die veranstaltende GFDI (Gesellschaft zur Förderung der Dental-Industrie mbH), dem Wirtschaftsunternehmen des Verbandes der Deutschen Dental-Industrie (VDDI) und die durchführende Koelnmesse GmbH: „Die enormen Besucherströme wurden durch den zusätzlichen Raum und die zum Teil bessere Anbindung entzerrt.“

 

/// Die ganze Dentalwelt in Köln

Ein großer Teil der Gäste hatte übrigens weite Wege auf sich genommen, um in Köln dabei zu sein. 62 Prozent der Besucher reisten aus dem Ausland an – übrigens nochmal 6 Prozent mehr als 2017. Besonders stark vertreten waren dabei Europäer (insbesondere: Italien, Schweiz, Großbritannien). Aber von allen Kontinenten fanden Zahnärzte, Zahntechniker und Praxismitarbeiter den Weg nach Köln: Aus Südamerika (vor allem: Argentinien, Brasilien, Chile), aus Asien (vor allem: Japan und Korea), aber auch aus Ägypten, Südafrika, Australien, Neuseeland, den USA und Kanada wurden Besucher registriert. Das größte Besucherplus verbuchten dabei Asien (+ 23,1 Prozent), Osteuropa (+ 19,6 Prozent) und Afrika (+ 17 Prozent).

Auf der Messe hatten sie Gelegenheit, ihre Landsleute an den Ständen zu besuchen: 73 Prozent der insgesamt rund 2.327Anbieter (gut 20 mehr als 2017) war international. 64 Länder waren vertreten; die stärksten Beteiligungen wurden aus Italien, den USA, Republik Korea, China, Schweiz, Frankreich und Großbritannien verzeichnet.

 

/// Messe als Maßstab für Marktplayer

Das beständige Wachstum der Messe über die vergangenen Jahre lässt sich aus Sicht der Veranstalter leicht erklären. Mark Stephen Pace, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Dental-Industrie (VDDI) sieht einen wesentlichen Erfolgsfaktor im „vollumfänglichen und international einzigartigem Angebot“ der Branche, der er einen „außerordentliche Leistungs- und Innovationskraft“ attestiert. Außerdem zeichne es die Branche aus, dass die Unternehmen den Erfolg im direkten Wettbewerb suchen und sich somit gegenseitig immer wieder zu Höchstleistungen anspornen. Pace: „Jeder, der in der Dentalbranche Erfolg haben will, stellt sich dem Leistungsvergleich in Köln. Kein Wunder also, dass die Internationalität der IDS mittlerweile enorme Dimensionen angenommen hat.“

 

/// Angebot und Nachfrage in Köln

Diese Einschätzung teilt auch Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse. Ihren Status als Messe der Superlative hat die IDS seiner Meinung nach zu Recht: „Sie übertrifft jedes Mal aufs Neue das schon hervorragende Ergebnis der Vorveranstaltung.“ Und warum begeistert die IDS immer wieder so viele Besucher? Für Böse ein klarer Fall: „Nur hier in Köln treffen sich Angebot und Nachfrage in diesem Umfang, in dieser Qualität und in dieser Internationalität.“ Das mache die IDS zur unangefochtenen globalen Leitmesse in der Dentalwelt.

 

/// Besucherquantität und -qualität

Für die Aussteller ist die IDS aber nicht nur wegen der Besuchermassen interessant, die in die Hallen strömen. Sie schätzen vor allem die hohe „Besucherqualität“, wie Gespräche mit den Firmenverantwortlichen an den Ständen zeigten. Viele Entscheider seien auf der Messe unterwegs gewesen. Eine unabhängige Befragung bestätigt das: Über 80 Prozent der diesjährigen IDS-Besucher entscheiden mit, welche Produkte oder Geräte für die Praxis bzw. das Labor bestellt werden; rund 32 Prozent davon sogar maßgeblich. Noch höher ist die Entscheidungskompetenz der ausländischen Besucher. Über 49 Prozent gaben an, eigenverantwortlich den Einkauf zu lenken.

 

/// Alle waren da

Unter den IDS-Besuchern waren sämtliche Berufsgruppen der Dentalbranche vertreten. Laut Umfrage kamen die größten Gruppen aus den Zahnarztpraxen, Dentallaboren, Dentalhandel und Dentalindustrie. Aber auch aus Schulen und Universitäten hatten sich viele Besucher auf nach Köln gemacht.

 

/// Besuchsempfehlung für die IDS

Und wie kam bei den Besuchern das Messeangebot an? Die Antwort fällt deutlich aus: gut bis sehr gut. Fast 80 Prozent der Besucher waren mit dem Ausstellungsangebot zufrieden bis sehr zufrieden. 93 Prozent würden einem guten Geschäftsfreund einen IDS-Besuch empfehlen und 70 Prozent planen bereits jetzt den Besuch auf der nächsten Messe 2021 fest ein. Eine Resonanz, die sich sehen lassen kann. Darüber freut sich auch Dr. Markus Heibach, Geschäftsführer des VDDI: „Die hohe Zufriedenheit unserer Fachbesucher und Aussteller ist für uns ein eindrucksvoller Beweis für unsere Bemühungen, den Aufenthalt unserer Gäste mit einem weltoffenen, gastfreundlichen und perfekten Service so angenehm und erfolgreich wie möglich zu gestalten.“

 

/// Optimale Business-Plattform

Wer neu auf dem Dentalmarkt ist und versucht, sein Unternehmen zu etablieren – für den führt kein Weg an der IDS vorbei. Um Produktneuheiten vorzustellen und die größtmögliche Aufmerksamkeit zu generieren, ist die Messe mit ihrer internationalen Strahlkraft das ideale Umfeld. Diese Erfahrung hat auch Steve Plakotaris gemacht, der als CEO und Managing Director des australischen Start-Ups „Dr. Mark’sHyGenie“ erstmals als Aussteller vor Ort war. Der Neuling präsentierte ein Produkt für den oralen Hygienebereich, dem das Unternehmen „Potenzial für den Weltmarkt“ beimisst.

Plakotaris: „Deshalb war es für uns nur folgerichtig, auf der weltgrößten und wichtigsten Dentalmesse präsent zu sein. Auch wenn wir noch ein kleines Start-Up sind, haben wir uns von Anfang an am richtigen Ort gefühlt und die IDS hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Wir haben viele neue Kontakte geknüpft.“

 

/// Auch die Kammer ist zufrieden

Nicht nur Veranstalter, Besucher und Aussteller ziehen ein positives Messe-Fazit. Auch die Bilanz der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) fällt gut aus: „Die IDS ist ein Phänomen“, urteilt BZÄK-Präsident Prof. Dr. Peter Engel, „so international, wissbegierig und offen ist die Atmosphäre, dass es auch dieses Jahr wieder sehr inspirierend war“. Sein Augenmerk galt in besonderer Weise den Fortschritten in der Digitalisierung: „Sie kann Praxisabläufe verbessern, sollte aber nicht unkritisch oder vorschnell angewendet werden.“

Für Engel ist die IDS mehr als eine Messe. Sie ist auch Jobmotor im Gesundheitswesen: „Die Zahnmedizin ist ein bedeutender Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor. Ein niedergelassener Zahnarzt beschäftigt durchschnittlich vier bis fünf Angestellte. Zahnmedizinische Fachangestellte sind das Herzstück jeder Zahnarztpraxis – ohne sie würde eine Praxis nicht funktionieren. Gute zahnmedizinische Fachangestellte brauchen daher Anerkennung und auch Inspiration.“

 

/// BZÄK und Partner

Am Stand der Bundeszahnärztekammer war Besucherzulauf nicht ohne Grund riesig. Die Kammer war mit mehreren Partnern vor Ort und bot so eine ganz breite Palette an Gesprächsthemen. Die BZÄK setzte einen thematischen Schwerpunkt u.a. bei den Aufstiegsfortbildungen für ZFA, bei der Gebührenverordnung für Zahnärzte (GOZ) und die Telematikinfrastruktur inklusive eZahnarzt-Ausweis. Ein immer wiederkehrendes Thema in den Standgesprächen des BZÄK-Partners DENTISTA waren Rechtsfragen. Hier konnten Experten einige Tipps an Praxisinhaber weitergeben.

 

/// Daumen hoch aus Sicht der Zahntechniker

Welche Bedeutung eine gute Ausbildung hat, darauf ging Dominik Kruchen, Präsident des Verbandes der Deutschen Zahntechniker-Innungen (VDZI) in seinem Messefazit ein. Die IDS habe gezeigt, „mit welcher Geschwindigkeit sich die digital-dentale Welt entwickelt“. Hier gelte es, Risiken abzuwägen, eigene Chancen zu erkennen und Investitionsentscheidungen mit Augenmaß zu treffen. Immer dabei im Raum: Die Frage nach der zukünftigen Rolle der zahntechnischen Labore. „Zahntechnikermeister mit ihren Teams als Experten sind in der Zahnersatzversorgung nicht ersetzbar“, so Kruchen. Ihre Expertise, zum Beispiel bei der Auswahl und beim Einsatz der verschiedenen Werkstoffe, sichere im engen Austausch mit den behandelnden Zahnärzten ein individuelles Angebot für die Patienten.

Ein wesentlicher Faktor deshalb: der Nachwuchs. „Wichtig für ein starkes Zahntechniker-Handwerk ist ein gut ausgebildeter Nachwuchs. Auf der IDS haben die hochqualifizierten zahntechnischen Auszubildenden beim Gysi-Preis Wettbewerb ihr Können erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

 

/// Engagement über Firmen- und Verbandsgrenzen hinaus

Dass die IDS mehr ist als eine reine Produktschau, bewies die 38. Ausgabe einmal mehr. Zahlreiche Verbände, Vereine und Initiativen präsentierten ihre Ideen und Konzepte, die auf ganz unterschiedliche Weise einen Beitrag im zahnmedizinischen und/oder zahntechnischen Sektor leisten. Traditionell fand auch wieder die BZÄK-Konferenz der Hilfsorganisationen statt – eine Ideenbörse für zahnärztliche Hilfsprojekte und eine für viele willkommene Gelegenheit zum persönlichen Erfahrungsaustausch.

Im BZÄK-Netzwerk sind zurzeit über 60 Hilfsprojekte und -organisationen vertreten, die auf vielfältige Weise im Inland wie im Ausland vollen Einsatz zeigen, um Menschen in sozial schwierigen und Notsituationen zu helfen. Das Engagement reicht von der Behandlung von Nicht-Krankenversicherten bis hin zu humanitären Einsätzen bei Naturkatastrophen oder der Aufbauhilfe in Krisenregionen.

 

/// Alle Generationen bei der IDS

Auch die jungen Zahnärzte hatten ein großes Forum bei der IDS. Am Stand der BZÄK präsentierte sich auch der Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni in Deutschland (BDZA). Der Verband ist für junge Zahnärzte ein Partner und Ansprechpartner in allen Fragen zum Berufseinstieg und bietet auf vielfältige Weise Unterstützung. Gleich zwei Highlights gab es in diesem Jahr: Zum einen die Vergabe des Alumnipreises und zum anderen die Feier zum zehnten Geburtstag des Verbandes.

Auch auf internationaler Ebene hält die BZÄK Netzwerke vor. In der Initiative YoundDentists Worldwide (YDW) können sich junge Zahnmediziner u.a. über Möglichkeiten, im Ausland zu arbeiten, austauschen. Ein weiteres Fokusthema sind weltweite Hilfseinsätze. Wie sich so ein Voluntary Work-Projekt gestalten lässt, darüber gaben Berufseinsteiger ihre Erfahrungen an interessierte junge Kollegen weiter.

 

/// Netze knüpfen und erweitern

Aber auch fachlich wurde fleißig genetzwerkt. So präsentierte sich auf der IDS auch PROSEC (PROgress in Science and Education withCeramics) – ein neues Spezialisten-Netzwerk für Wissenschaft und Fortbildung auf dem Gebiet der Implantologie und zahnärztlichen Restaurationen mit Keramik oder alternativen, nicht-metallischen Werkstoffen. Die Expertengruppe setzt sich zusammen aus national und international renommierten Wissenschaftlern, Klinikern, Zahntechnikern, Hygiene-Fachkräften und weiteren Anwendern, die klinisch und wissenschaftlich an nicht-metallischen Materialien interessiert sind.

Als Weiterentwicklung der modernen dentalen Implantologie steht dabei die vollkeramische Implantologie und damit die metallfreie Versorgung im Mittelpunkt. PROSEC will wissenschaftlicher und praxisorientierter Schrittmacher der vollkeramischen Implantologie und sonstiger nichtmetallischer Restaurationen sein und dies durch Förderung von wissenschaftlichen Studien sowie Literaturbewertung zur Evidenzbasierung unterstützen und die Entwicklung mit Veröffentlichungen und Fortbildungen begleiten.

Die Initiative ist als gemeinnützige GmbH organisiert und gliedert sich in zwei Fachgremien: Wissenschaft und Anwendung. Vorsitzender des Scientific Boards ist Prof. Dr. Dr. h.c. Jörg Rudolf Strub (Freiburg). Ziel ist es, systemübergreifend die neuen nichtmetallischen Möglichkeiten der prothetischen Restaurationen, insbesondere in der oralen Implantologie, zu fördern, evidenzbasierte Empfehlungen für Patienten und Anwender zu entwickeln und im Bereich der Fortbildung die an der Wissenschaft basierte Kompetenz in der Indikation, Planung und Therapie mit metallfreien Versorgungen zu vermitteln.

 

/// proDente zeichnet Journalisten aus

Seit 1998 vermittelt die Initiative proDente e.V. fundiertes Fachwissen aus den Bereichen Zahnmedizin und Zahntechnik und will den Wert gesunder und schöner Zähne darstellen. Vor allem die Aufklärungsarbeit von der Prophylaxe bis zur Prothetik steht dabei im Mittelpunkt. Für Zahnärzte und Zahntechniker präsentiert proDente zudem ein umfangreiches Service-Angebot, um die Kommunikation mit den Patienten zu erleichtern. Natürlich war die Initiative auch auf der IDS mit einem Stand und diversen Aktionen (u.a. Gewinnspiel mit einem Retro-Handbohrer) vertreten.

Großes Aufsehen erregte die Initiative aber mit der Verleihung des Journalistenpreises „Abdruck“. Zum 14. Mal vergab proDente den renommierten Preis. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr herausragende Arbeiten, die zahnmedizinische und zahntechnische Themen einer breiten Öffentlichkeit allgemein verständlich zugänglich machen. Die vier Gewinner in diesem Jahr: Silke Droll, Apotheken Umschau (Print), das Redaktionsteam von NDR Visite, Isabell Seifert, NDR Hallo Niedersachen (beides TV) und Thomas Samboll, Deutschlandfunk (Hörfunk).

 

/// Füllhorn an News und Neuheiten

Für die meisten der 166.000 Besucher stand natürlich im Vordergrund, sich über die Neuheiten am Markt zu informieren. Und die Anreise dürfte sich gelohnt haben: Die Fülle an Neuheiten schien erneut alle Messerekorde zu sprengen. Ob im klassischen Material-Segment oder im wachsenden Darüber-spricht-die-Branche-Bereich, der Digitalisierung: Die Reihe der präsentierten Produkte, Geräte und Software-Lösungen reichte vom ersten Material, mit dem sich sowohl Befestigungen als auch Stumpfaufbauten problemlos durchführen lassen, über die erste Fräsmaschine mit selbstständiger Reinigung bis hin zum Scanner, der ein akkurates, vollständiges Bild der Zahnbögen innerhalb von Sekunden ermöglicht.

Um sich einen Überblick über die diversen Neuheiten und Weiterentwicklungen zu verschaffen, hat sich der dental:spiegel vor Ort bei Händlern und Herstellern hinter die Kulissen geschaut. Wofür wurde am lautesten getrommelt? Welche Schätze haben sich vielleicht erst bei näherem Hinsehen offenbart? Was sind Neuheiten, die sich sofort und unkompliziert in den Praxis- oder Laboralltag integrieren lassen und einen echten Mehrwert bieten? Wir haben für Sie einige der interessantesten Neuheiten nach Disziplinen sortiert zusammengefasst.

 

  • DIGITAL

Digitalisierung in aller Munde – das ist nicht neu. Auch nicht der Wunsch der Zahnärzte und Zahntechniker nach Geräten und Materialien, die in der Praxis oder im Labor nicht zu Staubfängern werden, sondern sich tatsächlich gut und effektiv einbinden lassen. Workflow, der seinem Namen gerecht wird. Ist das jetzt möglich? Welche Fortschritte wurden auf der IDS präsentiert?

 

Revolutionärer Intraoralscanner

Ein Dauerbrenner in jeder Praxis ist das Thema Abformung. Die konservative Abdruckname ist nach wie vor stark verbreitet – aber immer wieder auch Auslöser von Diskussionen um Würgereiz und Präzision. Wie viel leichter könnte es sein, wenn nur mit einem Scanner die Zahnreihen abgefahren werden müssten? Und siehe da: Genau das soll jetzt möglich sein. DentsplySironahat mit dem neuen Intraoralscanner Primescanden ersten Scanner auf den Markt gebracht, das mit einer neuartigen und zum Patent angemeldeten Aufnahmetechnologie die digitale Abformung revolutionieren könnte.

Die ersten Rückmeldungen aus den testenden Zahnarztpraxen sind geradezu euphorisch. Mit dem Scanner sei es demnach möglich, schneller, einfacher und präziser zu arbeiten. Ein echter Gewinn für die Abdruckname und deshalb auch ein würdiger Kandidat für den renommierten Eckard-Franz-Preis.

 

Fräsmaschine mit integrierter Reinigung

Auch den Laboren wird ein verbesserter Workflow in Aussicht gestellt. Der österreichische Hersteller Amann Girrbachhat seine neue CeramillMatikvorgestellt. Dabei handelt es sich um die erste Digital Native Automation Unit, die sich selbst versorgt und dem Zahntechniker somit mehr Zeit für Wesentliches verschafft. Wie das funktioniert? Die innovative Full Service-Bearbeitungseinheit verbindet die Bearbeitungsstation mit einem vollautomatischen Lagerverwaltungssystem, intelligentem Werkzeugmanagement und einer integrierten Reinigungseinheit, die einen automatischen Wechsel zwischen Nass- und Trockenmodus ermöglicht. Dadurch arbeitet die CeramillMatik komplett autonom und kann auch nachts oder am Wochenende durchgehend administrationsfrei produzieren.

 

Prof. Dr. Marcel Wainwright stellte auf der IDS eine neue Möglichkeit vor, Zähne minimal-invasiv zu extrahieren mit dem Piezotome Cube Star von ACTEON.

3D-Bildgebung mit reduzierter Strahlung

Eine von mehreren aufsehenerregenden Neuheiten des französischen Herstellers ACTEONist die neue Röntgeneinheit X-MIND® trium: Das Besondere an der CBCT-Einheit ist die massiv reduzierte Strahlendosis (bis zu 50 Prozent weniger) – bei null Einbußen in puncto Bildqualität. Möglich macht das ein neu entwickelter Algorithmus, der im Zusammenspiel mit einer neuen Technik den Röntgensensor dichter an den Patienten bringt. Davon profitieren Patient und Behandler: Der Patient ist einer deutlich geringeren Strahlung ausgesetzt, während der Zahnarzt optimale Daten für eine präzise Diagnose und Behandlung erhält.

 

Atraumatische Extraktion

Weniger im Fokus steht im Zusammenhang mit der Digitalisierung bisher das Thema Extraktion. Doch auch da gibt es Neues. ACTEON hat für ein atraumatisches Extrahieren den Piezotome® Cube STARentwickelt, von dem sich der Hersteller erhofft, einen neuen Gold-Standard in der Dentalchirurgie zu setzen. Basis des neuen Systems ist eine Ultraschall-Technologie, mit der ein Zahn absolut minimal-invasiv aus dem Kieferknochen entfernt werden kann. Das bedeutet nicht nur eine deutlich weniger unangenehme Erfahrung für den Patienten, sondern auch einen enormen Vorteil für die weitere Behandlung. Da keine rotierenden Instrumente eingesetzt werden, ist die Zahnhöhle nach der Extraktion unbeschädigt. So kann direkt im Anschluss ein Implantat gesetzt werden.

 

3D-Druck fürs Labor

MitPrograPrinthat Ivoclar Vivadentein neues 3D-Drucksystem für die Zahntechnik entwickelt. Es ist integriert in einen validierten Workflow, bestehend aus Materialien sowie passenden Geräten für Druck, Reinigung und Nachvergütung. Das Drucksystem ergänzt optimal die PrograMill-Fräseinheiten.

Sein ersteszahnfarbenes, keramisch gefülltes Hybridmaterial hat auf der IDS der Bremer Hersteller BEGOpräsentiert. Mit der VarseoSmile Crownlassen sich via 3D-Druck permanente Einzelkronen, Inlays/Onlays und Veneers herstellen.

 

  • KONSERVATIVE RESTAURATION
Prof. Dr. Claus-Peter Ernst ging auf die revolutionäre Technologie ein, mit der das neue Komposit VISALYS Cemcore von Kettenbach ein sicheres Befestigen und zugleich einen sicheren Stumpfaufbau ermöglicht.

Auch im Bereich Füllung und Befestigung gab es einiges für die Zahnärzte zu entdecken. Wer träumt nicht manchmal davon, eine Kette von Behandlungsschritten auf einige wenige zu reduzieren? Weniger Material und weniger Schritte – das verspricht das neue Befestigungssystem VISALYS® CEMCORE von Kettenbach. Das dualhärtende, adhäsive Befestigungs- und Stumpfaufbau-Komposit macht sich die neu entwickelte Active-Connect-Technologie (ACT) zu Nutze, um für einen optimierten Haftverbund bei gleichzeitig sehr hoher Fließfähigkeit zu sorgen. Das System umfasst deutlich weniger Komponenten als herkömmliche Systeme (1 Automixspritze, 1 ToothPrimer sowie 1 Restorative Primer) und kommt ohne Anmischen aus. Überschüsse lassen sich leicht entfernen und das Komposit ist mit allen Materialien kompatibel. Es ist frei von Bisphenol A, röntgenopak und in 5 Farben erhältlich.

 

Zeitsparende Zirkonia-Materialien

KurarayNoritakelöste ein positives Echo bei den Besuchern mit seinen Weiterentwicklungen in der KATANA Zirconia-Produktfamilie aus. Für den Traditionshersteller ist klar: Nicht die Fräsgeräte, sondern die Materialien müssen verbessert werden, um das Indikationsspektrum zu erhöhen. Genau das ist jetzt geschehen. Nach den KATANA Zirconia-Materialien UTML und STML ist mit dem neuen HTML jetzt ein Material vorgestellt worden, das die vollständige VITA-Farbreihe umfasst und außerdem ein Sintern in nur 90 Minuten ermöglicht.

 

Thermoviskoses Füllungsmaterial

Eine Neuheit gab es auch am VOCO-Stand. Der Cuxhavener Hersteller geht mit dem neuen Füllungsmaterial VisCalorauf die starke Nachfrage von Zahnärzten nach einem Material mit wandelbarer Konsistenz ein. Das thermoviskose Komposit vereint die Vorteile eines fließfähigen und dennoch modellierbaren Materials. Dadurch hat der Zahnarzt die volle Flexibilität beim Füllungslegen.

 

  • IMPLANTOLOGIE

Ideal für den Einsatz im weichen Knochen sind die NEOSSProActiveTapered Implantate, mit denen der Kölner Hersteller einen Komplettsatz mit Implantat, Deckschraube und zwei Heilungsabutments zur Verfügung stellt. Mit ihrem schlanken, apikalen Profil können die Implantate mit konischem Hals leichter und schonend im weichen Knochen positioniert werden.

Neu in der Reihe der Lösungen für die Knochen- und Geweberegeneration ist creosmucogain, eine natürlich resorbierbare Kollagenmatrix aus porcinen Kollagen- und Elastinfasern, die autologes Transplantationsmaterial in unterschiedlichen Indikationen ersetzen kann. Damit erweitert Nobel Biocareseine creos-Linie um eine sofort einsetzbare, anwenderfreundliche Alternative zu autologen Weichgewebstransplantaten.

 

  • HYGIENE

Den Markt der Zahnpasten möchte das japanische Unternehmen SANGI mit seiner neuen Reihe an Hydroxyapatit-Pasten erobern. Die Raumfahrt-inspirierte Zahnpasta basiert auf dem Anti-Karies-Wirkstoff Hydroxyapaptit, dessen Wirkung durch mehrere Studien belegt ist. Es remineralisiert den Schmelz auf und unter der Oberfläche und absorbiert schädliche Bakterien besser als andere Calciumphosphate. Außerdem schützt er durch Beschichtung freigelegter Dentinkanälchen vor Überempfindlichkeiten und hilft, Farbe und Glanz der natürlichen Zahnstruktur wiederherzustellen. Erhältlich sein werden die Zahnpasten APADENTund APAGARDab April auf dem europäischen Markt ausschließlich in Apotheken und Zahnkliniken. SANGI-Vertriebschef Jochen Freibert zeigte sich zuversichtlich, dass sich das neue Konzept ähnlich wie in Japan schnell etablieren wird.

 

/// Das war die IDS 2019

Die IDS hat wieder eine Fülle an Produktneuheiten bereitgehalten, die es in den kommenden Monaten zu beobachten gilt. Viele Innovationen sind sicherlich geeignet, sich dauerhaft in den Praxen und Laboren zu etablieren. Wenn Sie nach diesem ersten Überblick weitergehende Informationen zu Neuprodukten wünschen, werfen Sie doch auch einen Blick in unsere Rubrik „Herstellerinformationen“. Dort finden Sie sicher einige News, die einen zweiten Blick lohnen.